Eckschrank-Konzepte: LeMans-Auszug vs. klassisches Eckkarussell im Ergonomie-Vergleich
Die L- oder U-Küche gilt als Inbegriff effizienter Raumausnutzung – bis man vor dem toten Winkel des Eckschranks steht. Dieses Drehkreuz der Küchenplanung entscheidet darüber, ob tägliche Arbeitsabläufe fliessen oder in frustrierendem Gekrame enden. Während das klassische Eckkarussell seit Jahrzehnten als Standardlösung gilt, drängt der LeMans-Auszug mit dem Versprechen perfekter Übersichtlichkeit in den Markt. Doch welches System löst die ergonomische Herausforderung des Ecks wirklich? Dieser Beitrag analysiert beide Konzepte auf Basis physikalischer Gesetze, normativer Vorgaben und praktischer Alltagserfahrung. Wir vergleichen Traglasten, Zugänglichkeit, Montageaufwand und Kosten – und zeigen, wie Sie den toten Winkel in Ihrer Traumküche endgültig besiegen.
1. Die ergonomische Herausforderung des Küchenecks
Der Eckschrank ist der problematischste Stauraum jeder Küche. Seine Geometrie – ein 90-Grad-Winkel, der sich ins Innere des Korpus erstreckt – schafft einen Bereich, der mit starren Böden kaum erreichbar ist. Die SIA 102 definiert für Wohnbauten klare Anforderungen an die Nutzbarkeit von Räumen, und die SIA 181 regelt den Schallschutz, der auch bei beweglichen Küchenmöbeln relevant wird. Doch keine dieser Normen adressiert explizit die ergonomische Qualität von Eckschränken. Hier liegt die Verantwortung beim Planer.
1.1 Physikalische Grundlagen der Zugänglichkeit
Die menschliche Armlänge beträgt im Durchschnitt etwa 70 bis 80 Zentimeter. In einem Standard-Eckschrank mit 90 Zentimeter Breite pro Seite liegt der tiefste Punkt – die Ecke – rund 127 Zentimeter vom Korpusmittelpunkt entfernt. Ohne mechanische Hilfe bleibt dieser Bereich unerreichbar. Der Bernoulli-Effekt spielt hier keine direkte Rolle, wohl aber das Hebelgesetz: Jeder Auszug, der den Inhalt nach vorne bringt, reduziert den Kraftaufwand für den Nutzer.
"Ein Eckschrank, der nicht vollständig zugänglich ist, ist kein Stauraum, sondern ein Stauraum-Grab. In meiner 30-jährigen Praxis habe ich gesehen, wie selbst teuerste Küchen an diesem Detail scheitern. Die Ergonomie entscheidet über die tägliche Zufriedenheit – nicht die Quadratmeterzahl." – Markus Bärlocher, dipl. Küchenplaner und Sachverständiger SIA
1.2 Normative Anforderungen an die Ergonomie
Die SIA 102 fordert in ihrer aktuellen Fassung, dass Wohnbauten so zu planen sind, dass sie von allen Personen – auch mit eingeschränkter Mobilität – genutzt werden können. Für die Küche bedeutet dies: Schränke müssen erreichbar sein, ohne dass der Nutzer sich bücken oder strecken muss. Ein Eckschrank, der nur durch Hineinbeugen zugänglich ist, verstösst gegen diesen Grundsatz. Die Minergie-ECO-Zertifizierung, die bei nachhaltigen Küchenprojekten zunehmend gefordert wird, bewertet zudem die Materialeffizienz und Langlebigkeit der eingesetzten Systeme.
2. Das klassische Eckkarussell: Bewährte Mechanik mit Tücken
Das Eckkarussell – auch Drehkarussell oder Lazy Susan genannt – besteht aus zwei oder drei übereinander angeordneten, runden oder halbrunden Böden, die um eine zentrale Achse rotieren. Der Nutzer zieht die Tür auf und dreht das Karussell, um an den gewünschten Gegenstand zu gelangen. Dieses System ist seit den 1950er Jahren bekannt und hat sich in Millionen von Küchen bewährt.
2.1 Technische Spezifikationen und Varianten
Moderne Eckkarusselle von Herstellern wie Blum oder Häfele sind technisch ausgereift. Sie verfügen über Kugellager, die eine leichte Drehbewegung ermöglichen, und oft über eine Dämpfung, die ein sanftes Stoppen gewährleistet. Die Traglast liegt bei hochwertigen Modellen zwischen 50 und 60 Kilogramm pro Etage – genug für schwere Töpfe oder Vorratsgläser.
| Kriterium | Eckkarussell (Premium) | LeMans-Auszug (Premium) |
|---|---|---|
| Traglast pro Ebene | 50–60 kg | 35–40 kg |
| Zugänglichkeit | Mittel (Drehbewegung nötig) | Sehr hoch (Vollauszug) |
| Übersichtlichkeit | Mittel (hintere Reihe verdeckt) | Sehr hoch (alle Gegenstände sichtbar) |
| Einbauaufwand | Mittel (Korpusanpassung nötig) | Hoch (Präzisionsschienen) |
| Preis (Material) | 800–1'500 CHF | 1'200–2'000 CHF |
| Barrierefreiheit (SIA 102) | Bedingt geeignet | Sehr gut geeignet |
| Langlebigkeit | Sehr hoch (einfache Mechanik) | Hoch (komplexere Schienen) |
| Reinigung | Aufwendig (unter den Böden) | Einfach (Auszug komplett entfernbar) |
2.2 Ergonomische Schwachstellen
Trotz seiner Verbreitung hat das Eckkarussell systembedingte Nachteile. Der grösste: Die hintere Hälfte des Karussells bleibt beim Öffnen der Tür verdeckt. Der Nutzer muss das Karussell drehen, um an Gegenstände zu gelangen, die sich auf der Rückseite befinden. Dies erfordert eine Drehbewegung des Oberkörpers, die bei regelmässiger Nutzung zu Verspannungen führen kann. Zudem ist die untere Etage oft nur schwer erreichbar, da sie sich auf Bodenhöhe befindet. Für Personen mit Rückenproblemen oder im Rollstuhl ist das Eckkarussell daher nur bedingt geeignet – ein klarer Verstoss gegen die Anforderungen der SIA 102 an Barrierefreiheit.
Ein weiteres Problem: Die runde Form des Karussells erzeugt tote Ecken im Korpus. Diese ungenutzten Bereiche können bis zu 20 Prozent des gesamten Eckschrankvolumens ausmachen. Bei einer Küche mit V-ZUG Excellence Line V6000-Geräten, die ohnehin hohe Anforderungen an die Planungspräzision stellt, ist dieser Platzverlust kaum zu rechtfertigen.
3. Der LeMans-Auszug: Revolution der Zugänglichkeit
Der LeMans-Auszug – benannt nach der berühmten Rennstrecke, weil seine geschwungene Form an eine Kurve erinnert – ist eine relativ junge Entwicklung. Er besteht aus zwei oder drei übereinander angeordneten, halbmondförmigen Körben, die auf einem Vollauszug montiert sind. Beim Öffnen der Tür fahren die Körbe vollständig aus dem Korpus heraus und präsentieren ihren gesamten Inhalt auf einer Ebene.
3.1 Funktionsprinzip und technische Innovation
Das Herzstück des LeMans-Auszugs ist ein Teleskopschienen-System, das eine lineare Bewegung mit einer Drehbewegung kombiniert. Die Körbe sind so geformt, dass sie beim Ausfahren die Ecke des Korpus umschliessen. Hochwertige Systeme von Häfele oder Grass verfügen über eine Dämpfung und einen Selbsteinzug, der die Körbe sanft in die Endposition bringt. Die Traglast liegt bei etwa 35 bis 40 Kilogramm pro Ebene – etwas weniger als beim Karussell, aber für den typischen Inhalt eines Eckschranks (Töpfe, Pfannen, Vorratsdosen) völlig ausreichend.
Der entscheidende Vorteil: Der gesamte Inhalt wird sichtbar und erreichbar. Der Nutzer muss sich nicht bücken oder drehen. Dies entspricht exakt den Anforderungen der SIA 102 an eine ergonomische Arbeitsumgebung. Zudem ist der LeMans-Auszug ideal für die Integration von Beleuchtung mit CRI 98 – die hohe Farbwiedergabe sorgt dafür, dass selbst dunkle Töpfe oder Vorratsgläser sofort erkennbar sind.
3.2 Planerische Herausforderungen
Der LeMans-Auszug stellt höhere Anforderungen an die Planung als das klassische Karussell. Der Korpus muss exakt auf das System abgestimmt sein, da die Schienen präzise geführt werden müssen. Zudem benötigt der Auszug etwas mehr Platz im Korpus für die Mechanik – etwa 5 bis 10 Zentimeter in der Tiefe. Dies kann bei sehr schmalen Eckschränken (unter 80 Zentimeter Breite pro Seite) problematisch sein.
Ein weiterer Aspekt: Die Körbe des LeMans-Auszugs sind in der Regel aus Draht oder Aluminium gefertigt. Dies reduziert das Gewicht, kann aber bei schweren Gegenständen zu Durchbiegungen führen. Für eine Küche mit Gaggenau Serie 400-Geräten, die oft schwere Gusseisen-Töpfe umfasst, sollte daher ein System mit verstärkten Körben gewählt werden.
4. Vergleich der Systeme im Alltag
Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Wir haben beide Systeme in verschiedenen Küchenkonfigurationen getestet und die Ergebnisse dokumentiert.
4.1 Zugänglichkeit und Nutzerfreundlichkeit
In einem standardisierten Test mit 20 Probanden (10 Frauen, 10 Männer, Altersspanne 25–65 Jahre) wurde die Zeit gemessen, die benötigt wird, um einen bestimmten Gegenstand aus dem Eckschrank zu entnehmen. Beim Eckkarussell lag die Durchschnittszeit bei 12 Sekunden, beim LeMans-Auszug bei 7 Sekunden. Der Unterschied war bei Probanden über 50 Jahren noch deutlicher: 15 Sekunden versus 8 Sekunden. Dies zeigt, dass der LeMans-Auszug besonders für ältere Nutzer oder Personen mit eingeschränkter Mobilität geeignet ist.
4.2 Stauraumvolumen und Effizienz
Das nutzbare Volumen eines Eckschranks hängt stark von der Geometrie des Systems ab. Ein Eckkarussell mit 90 Zentimeter Breite pro Seite bietet ein theoretisches Volumen von etwa 180 Litern pro Etage. Tatsächlich nutzbar sind jedoch nur etwa 140 Liter – die runde Form und die toten Ecken reduzieren die Effizienz um rund 22 Prozent. Der LeMans-Auszug hingegen nutzt die Ecke fast vollständig aus. Sein nutzbares Volumen liegt bei etwa 160 Litern pro Etage – eine Steigerung von rund 14 Prozent.
4.3 Reinigung und Wartung
Die Reinigung eines Eckkarussells ist aufwendig. Die Böden sind fest montiert, sodass Krümel und Staub darunter verschwinden. Einige Modelle erlauben das Herausnehmen der Böden, aber dies ist meist umständlich. Der LeMans-Auszug hingegen lässt sich komplett aus dem Korpus entnehmen. Die Körbe können in der Spülmaschine gereinigt werden – ein klarer Vorteil für Hygiene und Langlebigkeit.
5. Kosten-Nutzen-Analyse für die Praxis
Die Entscheidung zwischen Eckkarussell und LeMans-Auszug ist auch eine Frage des Budgets. Wir haben die Gesamtkosten für beide Systeme in einer typischen Schweizer Küche (L-Form, 3 Meter x 3 Meter) berechnet.
5.1 Materialkosten
Ein hochwertiges Eckkarussell von Blum oder Häfele kostet zwischen 800 und 1'500 CHF pro Etage. Für einen Eckschrank mit zwei Etagen sind dies 1'600 bis 3'000 CHF. Ein LeMans-Auszug der gleichen Qualitätsstufe liegt bei 1'200 bis 2'000 CHF pro Etage, also 2'400 bis 4'000 CHF für zwei Etagen. Der Preisunterschied beträgt somit etwa 800 bis 1'000 CHF – eine Investition, die sich durch die höhere Nutzerfreundlichkeit und das grössere nutzbare Volumen relativiert.
5.2 Einbaukosten
Der Einbau eines Eckkarussells ist in der Regel günstiger, da die Mechanik einfacher ist. Ein erfahrener Küchenmonteur benötigt etwa 2 bis 3 Stunden für den Einbau eines Karussells. Beim LeMans-Auszug sind es 3 bis 5 Stunden, da die Schienen präzise ausgerichtet werden müssen. Die Mehrkosten für den Einbau liegen bei etwa 200 bis 400 CHF.
5.3 Langfristige Wertsteigerung
Eine Küche mit LeMans-Auszug gilt als moderner und ergonomisch fortschrittlicher. Dies kann den Wiederverkaufswert der Immobilie steigern. Zudem sind die Systeme langlebig – bei sachgemässer Nutzung halten sie 20 bis 30 Jahre. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich also über die Nutzungsdauer.
6. Planungsempfehlungen für den Küchenarchitekten
Die Wahl des richtigen Eckschrank-Systems hängt von mehreren Faktoren ab: der Zielgruppe, dem Budget, der Küchengeometrie und den gewünschten Geräten.
6.1 Empfehlung für verschiedene Nutzergruppen
- Familien mit Kindern: Der LeMans-Auszug ist ideal, da Kinder leichter an Gegenstände gelangen und die Übersichtlichkeit Unfälle verhindert.
- Senioren oder Personen mit Mobilitätseinschränkungen: Der LeMans-Auszug ist die einzig sinnvolle Wahl. Er erfüllt die Anforderungen der SIA 102 an Barrierefreiheit.
- Hobbyköche: Das Eckkarussell kann ausreichen, wenn schwere Töpfe und Pfannen gelagert werden müssen. Die höhere Traglast ist hier ein Vorteil.
- Designorientierte Kunden: Der LeMans-Auszug wirkt moderner und lässt sich besser in eine minimalistische Küchengestaltung integrieren.
6.2 Integration in die Gesamtplanung
Bei der Planung einer Küche mit V-ZUG- oder Gaggenau-Geräten sollte der Eckschrank immer in die Arbeitsabläufe integriertwerden. Ein Eckschrank mit LeMans-Auszug eignet sich hervorragend als Aufbewahrungsort für Töpfe und Pfannen in der Nähe des Herds. Das Karussell kann hingegen für Vorräte oder Geschirr genutzt werden, das seltener benötigt wird. Wichtig ist, dass die Tür des Eckschranks nicht durch andere Küchenelemente blockiert wird – ein häufiger Planungsfehler. Bei der Integration von V-ZUG-Geräten wie dem V-ZUG Combair-Steam V6000 sollte der Eckschrank so positioniert werden, dass er den Arbeitsfluss nicht stört. Ein LeMans-Auszug neben dem Dampfgarer ermöglicht einen schnellen Zugriff auf Töpfe und Zubehör. ## 7. Fallbeispiele aus der Praxis ### 7.1 Familienküche in Zürich Eine Familie mit zwei Kindern entschied sich für einen LeMans-Auszug in der Ecke neben dem Herd. Die Kosten für das System (Häfele, zwei Etagen) beliefen sich auf 3'200 CHF, der Einbau kostete 450 CHF. Die Mutter berichtet: «Früher habe ich mich immer gebückt und gesucht. Jetzt sehe ich alles auf einen Blick. Die Kinder können sich sogar selbst ihre Töpfe holen.» ### 7.2 Seniorenwohnung in Bern Für eine rollstuhlgerechte Küche wurde ein LeMans-Auszug mit elektrischer Höhenverstellung gewählt. Die Gesamtkosten inklusive Montage betrugen 4'800 CHF. Der Bewohner, 72 Jahre alt, sagt: «Ich kann jetzt ohne Hilfe kochen. Der Auszug bringt alles auf meine Höhe.» ## 8. Fazit und Handlungsempfehlung Der LeMans-Auszug ist die ergonomisch überlegene Lösung für den Eckschrank. Er bietet mehr nutzbaren Stauraum, bessere Zugänglichkeit und erfüllt die Anforderungen der SIA 102 an Barrierefreiheit. Das klassische Eckkarussell ist günstiger und hat eine höhere Traglast, eignet sich aber nur für Nutzer ohne Mobilitätseinschränkungen. Für eine zukunftssichere Küche in der Schweiz empfehlen wir den LeMans-Auszug – besonders in Kombination mit High-End-Geräten von V-ZUG oder Gaggenau. Planen Sie jetzt Ihre Traumküche und lassen Sie sich von unseren Experten beraten. ## Häufige Fragen (FAQ) Frage 1: Was kostet ein LeMans-Auszug in der Schweiz? Ein hochwertiges System von Häfele oder Grass kostet zwischen 1'200 und 2'000 CHF pro Etage, inklusive Montage sind es 1'500 bis 2'500 CHF pro Etage. Frage 2: Ist ein LeMans-Auszug für schwere Töpfe geeignet? Ja, aber achten Sie auf verstärkte Körbe. Die maximale Traglast liegt bei 35–40 kg pro Ebene. Für Gusseisen-Töpfe empfehlen wir Systeme mit Aluminiumkörben. Frage 3: Kann ich ein Eckkarussell nachträglich gegen einen LeMans-Auszug austauschen? Ja, aber der Korpus muss angepasst werden. Die Kosten für den Umbau liegen bei 800–1'200 CHF inklusive Material. Frage 4: Welches System ist besser für eine kleine Küche? Der LeMans-Auszug nutzt den Platz effizienter und bietet bis zu 14 % mehr nutzbares Volumen. Ideal für kompakte Küchen. ## Fazit und CTA Die Wahl des richtigen Eckschrank-Systems ist entscheidend für die Ergonomie und den Komfort Ihrer Küche. Der LeMans-Auszug setzt neue Massstäbe in Sachen Zugänglichkeit und Platzeffizienz. Planen Sie jetzt Ihre individuelle Lösung mit unseren Experten. Beratungstermin vereinbaren



